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1.14 Im MedLab

(Arndt Doering)

Ort: MedLab

Zeit: Spaeter Nachmittag

(Gariboldi- der auf Bewaehrung wieder draussen ist und eine letzte, aber auch allerletzte Chance bekommen hat und als Teil seiner Wiedergutmachung seine Aufklaerungsquote um 50% steigern muss - kommt ins MedLab, im Schwitzkasten einen verwahlosten Mann, der aus mindestens 5 verschiedenen Wunden blutet.)

Gariboldi: Dies ist mein Glueckstag. Wieder einen miesen Verbrecher erwischt. Doktor! Ich brauche Hilfe! Schnell!

(Frankenstein dreht sich hektisch um. Seine Augen bewegen sich in einem wilden Stakkato - sie scheinen Dinge zu sehen, die mindestens zwei Dimensionen von unserem Universum entfernt sind. Hinzu kommt sein ekstatisches Grinsen und seine nervoesen Bewegungen.)

Frankenstein (stuerzt auf den Verwundeten zu): O mein Gott! Jaja, das haben wir gleich. Keine Panik. Bin schon bei der Arbeit. Schwester, ich brauche sofort -

Gariboldi (laesst den Verwundeten einfach fallen und streckt Frankenstein seinen rechten Arm hin): Quatsch, doch nicht der. *Ich* bin verwundet. Genau hier (zeigt auf einen duennen Kratzer). Ich will sofort ein Pflaster. Aber eines von diesen mit den lustigen, bunten Tierbildern drauf und die beim Abziehen nicht weh tun.

Frankenstein: Ein *Pflaster*? Sind Sie wahnsinnig geworden? Wissen Sie ueberhaupt, dass Pflaster seit der Blockade durch die Erde Mangelware sind?

Gariboldi: Ich bin verwundet. Doktor, ich werde *sterben*! Ach, ich fuehle mich so schwach (stoehnt erbaermlich, aber nicht so erbaermlich, wie der arme Teufel auf dem Fussboden).

Frankenstein (aufgedreht): Heureka! Ich hab's!

(Frankenstein rennt zur Kryo-Truhe und wuehlt darin herum. Ab und zu kommen ein paar Extremitaeten der verschiedensten Rassen und andere Koerperteile zum Vorschein.)

Frankenstein: Hier, Chief. Ich kann Ihnen zwar kein Pflaster anbieten, aber dafuer *das* hier (haelt Gariboldi einen menschlichen linken Arm unter die Nase). Wir nehmen den verletzten Arm ab und operieren den hier dran. Das spart Verbandsmaterial.

Gariboldi (ringt sichtlich mit seiner Beherrschung): Doktor, das ist ein *linker* Arm, verletzt ist aber mein *rechte*.

Frankenstein: Oh, ja, tatsaechlich. Aber zwei linke Arme, das hat doch bestimmt auch Vorteile. Was meinen Sie, Chief? Chief?

(Gariboldi visiert das naechste Behaeltnis an und uebergibt sich lautstark. Waehrend sich Frankenstein wieder der Truhe zuwendet, um einen passenden Arm zu finden, fluechtet Gariboldi aus dem MedLab.)

Schwester: Doktor, was sollen wir mit dem Schwerverletzten (begutachtet den Koerper am Boden genauer)...dem Toten hier machen?

Frankenstein (mustert die Leiche mit seinen irren Augen): Zerlegen Sie ihn und bringen Sie ihn dann ins Ersatzteillager. Verflucht, wenn doch bloss der naechste Transport mit den Medikamenten eintraefe.

SCHNITT

Zeit: Nacht

(Zack und Bester schleichen sich in den dunklen, abgesperrten Teil der Krankenstation.)

Bumm: Die haetten wirklich mal den Code aendern koennen. Das war ja fast zu einfach. Aber wohl ist mir bei der Sache wirklich nicht.

Bester: Zack, Sie tun das fuer eine grosse Sache - fuer mich.

Bumm: Richtig, Herr. Wie konnte ich das nur vergessen?

(Beide mustern unschluessig die lange Reihe von Kryostasekammern. Ploetzlich fliegt die Tuer auf, und Dr. Frankenstein kommt wild fuchtelnd hereingestuermt.)

Bumm: Doktor! Ich dachte, Sie haetten dienstfrei.

Frankenstein: (aufgedreht): Ich bin *immer* im Dienst. 24 Stunden am Tag. Ich *kann* das (grinst unkontrolliert).

(Zack stuermt auf Frankenstein zu. Beide stehen sich von Angesicht zu Angesicht gegenueber; Frankenstein mit rollenden Augen und ekstatischem Grinsen, Zack mit der Mimik eines Polit-Fanatikers nach der Gehirnwaesche.)

Bumm: Fuehren Sie meinen Meister sofort zu seiner Angebeteten!

Frankenstein: Nix da. Die Besuchszeiten sind von 15-17 Uhr. Kommen Sie morgen wieder.

Bester (ruhig und leise): Doktor, es liegt mir fern, Ihnen ein Leid zuzufuegen, aber ich fuerchte, ich muss auf einer Besuchs-Ausnahmelegelung bestehen. Sollten Sie das nicht einsehen, koennte ich gezwungen sein, ueber Ihre wettbewerbsverzerrenden Arbeitszeiten Meldung beim Aerztebund und den Krankenkassen zu machen. Dann wird Ihnen die Approbation entzogen, und Sie muessen wieder mittellos zu Hause bei Ihrem Vater und Ihrer Schwester wohnen.

(Fuer eine Sekunde scheint Frankensteins Verstand wieder normal zu funktionieren; sein Gesicht zeigt ehrliches Erschrecken - aber wirklich nur eine Sekunde lang.)

Frankenstein: Na gut. Dann wollen wir mal sehen.

(Frankenstein stuermt an den beiden vorbei und fuchtelt wild an den Kontrollen einer Kryo-Truhe herum. Der Doc sieht hinein, schuettelt den Kopf und will die Anlage wieder schliessen, doch Bester und Zack sind schneller. Beide blicken entsetzt auf den nicht mehr ganz vollstaendigen Koerper eines Psychopathen. Zack presst die Hand vor den Mund und dreht sich um.)

Bester (verzweifelt): Was haben Sie Ungeheuer mit meinen Psychopathen gemacht?! Sie sind ja schlimmer als die Schlappen. Die lassen meine Leute wenigstens an einem Stueck.

Frankenstein: Das ist alles Praesident Clacks' Schuld. Haetten wir das Embargo nicht, dann gaebe es keine Probleme mit dem Nachschub an Blutkonserven, kuenstlichen Organen und Prothesen. Aber so... Man muss halt nehmen, was man kriegen kann.

Bester (aufgebracht): Wenn Sie meiner Perle auch nur ein Haar gekruemmt haben, dann sitzen Sie in der naechsten Raumfaehre nach Hause. Sie koennen sich schon mal ueberlegen, welche Sachen Sie von hier mit in Ihr altes Zimmer nehmen wollen.

Frankenstein (gruebelnd): Haare? Nein, solange ich hier Dienst habe - und das sind immerhin 6 Wochen an einem Stueck -, ist keine Haartransplantation durchgefuehrt oder nachgefragt worden. Mr. Gariboldi hat zwar mal unverbindlich gefragt, aber -

Bester: Doktor! Wo-ist-meine-Freundin?

Frankenstein: Ich glaube, sie liegt ganz hinten. Da koennten Sie Glueck haben. Bei meiner Suche nach Ersatztei...aeh...Spenderorganen bin ich noch nicht bis zu den hinteren Kaesten durchgedrungen. Da sind wir ja schon. Oh, sehen Sie mal, ich hab's sogar aufgeschrieben.

(Frankenstein nimmt einen selbstklebenden Zettel von der Scheibe des Kryo-Tanks. In ungelenker Schrift steht geschrieben: 'Besters Flamme. Finger wech!')

Bester: Wuerden Sie uns bitte alleine lassen?

Frankenstein: Aber natuerlich. Ich will das junge Glueck doch nicht stoeren (kichert irre).

(Frankenstein oeffnet die Kammer und geht an seinen Schreibtisch zurueck. Bester naehert sich der Kammer mit Traenen in den Augen und beginnt ein murmelndes Selbstgespraech. Frankenstein schaltet an seinem Schreibtisch die Ueberwachungskamera an und schiebt einen Datenkristall ein.)

Frankenstein: O Mann, wenn ich Glueck habe, wird das ein ganz grosses Ding. Fuer den Kristall lassen der Captain und Debilenn sich 'ne Menge Vorlonen-Stoff springen.


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