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1.10 Mr. Bester kommt an

(Arndt Doering)

Ort: Im Sektor der Botschafter

Zeit: gegen Abend Erdstandard

Genauere Ortsbestimmung: Das Quartier von Botschafter Kotz

(Man sieht den geoeffneten Schutzanzug von Kotz, ihm gegenueber Lydda Alexander. Ihr Mund oeffnet sich, und ein weisser Nebel verlaesst ihren Koerper und verschwindet im Schutzanzug.)

Alexander: Wwwwow! Das war phae-no-me-nal! O Kotz, Sie sind immer so *einfuehlsam*, so *anders* als die anderen Psychopathen, mit denen ich zu tun hatte. Wie machen Sie das bloss?

Kotz: *Roedel* *Strassenlaerm* *Grrrpfff*.

Alexander: Wirklich? Das ist ja kaum zu glauben. Sagen Sie mir aber auf alle Faelle Bescheid, wenn Sie meine Dienste wieder in Anspruch nehmen moechten.

Kotz: *Krchhh* *Gonggg* *Flipp*?

Alexander: Nein, ich glaube nicht, dass Ihre Frau Verdacht geschoepft hat. Ich bin schliesslich Ihre offizielle Sekretaerin, und ueberstunden sind in meinem Vertrag ausdruecklich erweaehnt.

Kotz: *Kicher* *Saeusel* *Summ*.

Alexander: Ach, Sie haben den Vertrag aufgesetzt? Dann sollten wir wirklich etwas vorsichtiger sein.

(Lydda verlaesst das Quartier. Auf ihren Lippen ein Laecheln, das nicht von dieser Welt ist. Sie ist noch so in Ekstase, dass sie nicht den schleimigen Muellbari bermerkt, der gerade eine Video- und Abhoerausruestung verstaut.)

SCHNITT

Ort: Der Gang vor Debilenns Quartier

Zeit: Naechster Morgen

(Debilenn und Sherrydan kommen heraus. Sherrydan hat nach einem ``Sektfruehstueck'' seine Tagesform erreicht, Debilenn muss trotz ihres menschlichen Koerpers noch trainieren - sie schwankt schon ein wenig.)

Sherrydan: Dein Fruehstueck war wieder ganz grosse Klasse, Debil.

Debilenn: Es freut mich, dass es dir geschmeckt hat.

Sherrydan: Besonders die Wodka-Rum-Leitungswasser-Mischung war gelungen.

(Um die Ecke kommt Lehnhier. Er traegt ein Vorlonen-Kostuem auf dem Arm.)

Debilenn: Was willst du denn mit diesem komischen Anzug?

Lehnhier (verlegen): Nun, das ist fuer das...oeh...fuer das Waluptiti-Ritual naechste Woche.

Debilenn: Aber das kenne ich ja gar nicht.

Lehnhier (grob): War auch nicht anders zu erwarten.

Sherrydan: Lehnhier! Sie entschuldigen sich sofort bei Debil...lenn.

Lehnhier: 'tschuldigung, Chefin. (Debilenn nickt gnaedig.)

Sherrydan: (untersucht das Kostuem genauer): Seltsam. Ich habe Kotz schon oefters gesehen, aber diese vielen Oeffnungen hier unten in seinem Anzug habe ich noch nie bemerkt.

Lehnhier: Einige Unzulaenglichkeiten in der Verarbeitung. Ich wollte gerade zur Aenderungsschneiderei auf dem Promenadendeck.

Debilenn: Dann wollen wir dich nicht aufhalten. Ich werde jetzt meine eigenen Vorbereitungen fuer das Ritual treffen.

Sherrydan: Ist gut, ich habe auch noch was zu erledigen.

SCHNITT

Ort: Eine Bar auf dem Zocalo

Zeit: Spaeter Vormittag

(Sherrydan und Garibaldi an der Theke. Sherrydan ist gerade bei seinem zweiten Glas.)

Garibaldi: Captain, Sie sollten wirklich mit dem Trinken aufhoeren. Das wird noch mal boese enden. Glauben Sie mir, ich habe da Erfahrung drin.

Sherrydan: Was soll ich denn machen? Der Alkohol ist das Einzige, das mir noch geblieben ist (schnueff).

Garibaldi: Sie tun ja gerade so, als sei dieser Posten hier das Letzte.

Sherrydan: Nach der Geschichte mit der ``Black Label'' stellte mich der Militaer-Richter vor die Wahl: Entweder Degradierung und Strafversetzung zur Verkehrswacht auf Io oder die Leitung der Raumstation Babylon 5. Aber Sie wissen ja, wie das beim Bund ist - willst du das eine, geben sie dir das andere (prostet Garibaldi resigniert zu).

Garibaldi (prostet mit seinem Glas Wasser zurueck): Captain, nehmen Sie sich ein Beispiel an mir. Ich war ein Saeufer, doch dann habe ich mich am Riemen gerissen und bin jetzt trocken, clean. Kein Alkohol, keine Drogen.

Sherrydan (starrt auf sein fast leeres Glas): Sie Glueckspilz.

(Waehrenddessen kommt Wirr an die Theke.)

Wirr (zum Barkeeper): Ich moechte bitte das Mittagsmahl fuer Botschafter Molinari abholen.

(Wirr nickt Sherrydan gruessend zu, Sherrydan nickt zurueck. In dieser Zeit holt Garibaldi aus seiner Jackentasche ein Inhaliergeraet, wie es Asthmatiker benutzen. Auf der Flasche prangt ein gelb-schwarzer Radioaktiv-Aufkleber. Garibaldi steckt das Mundstueck in seinen Mund und atmet zweimal tief durch. Er steckt das Geraet wieder ein; auf seinem Gesicht erscheint sein sympathisches Sunnyboy-Laecheln. Inzwischen ist der Barkeeper mit einem Tablett zurueckgekehrt, auf dem eine komplizierte, fragile Pyramide aus Glaesern mit farbloser Fluessigkeit und schwarzen Bohnen aufgebaut ist. Wirr nimmt vorsichtig das Tablett entgegen.)

Garibaldi: Sehen Sie mich an, Captain (grinst). Ich fuehle mich grooossartig (breitet die Arme weit aus und stoesst Wirr an).

(Wirr wird nach vorne geschubst und stolpert hilflos durch die Menge, wobei es ihm erstaunlicherweise gelingt, das Tablett zu balancieren.)

SCHNITT

Ort: Ankunftshalle / Zoll

Bester: Nanu, ich dachte, ich wuerde von Captain Sherrydan oder zumindest Mr. Garibaldi empfangen. Meine Nachricht war wohl deutlich genug.

Sicherheitsbeamter: Ihre Papiere bitte.

Bester: Wer sind Sie denn?

Sicherheitsbeamter: Ich bin Zack Bumm, Garibaldis Stellvertreter und scharf auf seinen Sessel.

Bester (blickt Zack scharf an): Ja, ich denke, mit Ihnen kann man arbeiten. Sie haben eine steile Karriere vor sich, junger Mann.

Zack (verlegen): Oh, danke, Sir. Trotzdem muss ich wissen, was Sie hier zu suchen haben.

Bester: Ich bin im Auftrag der EA, des CIA, des FBI und des BVB hier. Das muss fuer's erste reichen.

Zack (unterwuerfig): Natuerlich, Sir. Entschuldigt meine Impertinenz, Exzellenz.

Alexander (die inzwischen in der Ankunftshalle eingetroffen ist): Hallo, Rolf.

(Bester schickt ihr einen vernichtenden Psychopathen-12-Blick entgegen, den Lydda aber locker mit einem Mega-Vorlonen-Blocker kontert. Bester taumelt umher und versucht, sich an einem Passanten festzuhalten. Dieser Passant ist dummerweise Wirr, der ganz stolz ist, bislang noch keinen Tropfen verschuettet, geschweige denn ein Glas zerbrochen zu haben. Bester reisst Wirr mitsamt seiner Fracht um. Beide liegen am Boden, vom Alkohol durchtraenkt und mit Kaffeebohnen ueberschuettet. Bester haelt Wirrs Arm noch umklammert; er blickt ihn erst fragend an, dann neugierig, schliesslich forschend-fordernd. Dann bricht er in hysterisches Gelaechter aus.)

Bester: Sie??? Imperator????? Nnnnnnyaaahaaaaahaaaaaaa!!!!!!

Zack (blickt fragend auf Besters ID-Karte, die er zum zhnten Mal in das Lesegeraet geschoben hat): Rolf? Hier steht nichts von einem Rolf.

Bester (zu Zack): Sie kennen keinen Rolf. Sie haben noch *nie* von einem Rolf *gehoert*. Haben Sie mich *verstanden*?

Zack (mit glasigem Blick): Ja, mein Herr und Meister.

SCHNITT

Ort: Ein dunkler Gang

Zeit: Einige Minuten spaeter

(Lydda geht planlos umher, Sie ueberlegt, ob sie dem Captain von Besters Ankunft berichten soll und fragt sich, was der Psycho-Cop *tatsaechlich* auf B-5 will. Ploetzlich stoppt sie. Vor ihr taucht eine grosse, bedrohliche Silhouette auf.)

Alexander: Kotz, sind Sie's? Ich dachte nicht, dass Sie mich so schnell wieder gebrauchen koennen.

Kotz: Doch, Lydda. Ich brauche Sie ganz *dringend*.

Alexander: Warum kommunizieren wir nicht telepathisch oder auch Vorlonisch wie sonst?

Kotz (zoegerlich): Weil ich mich in dieser Angelegenheit der Menschensprache bedienen muss. Bitte stellen Sie keine weiteren Fragen. Stellen Sie sich hier zu mir in die Ecke, schliessen Sie die Augen und denken Sie an Ihre unbeschwerte Kindheit. Und halten sie vor allem den Mund.

(Lydda tut, wie ihr befohlen. Unter Kotz' Anzug ist ein heftiges Ziehen und Reissen zu vernehmen.)

Alexander (in halber Trance): Aber wenn ich meinen Mund geschlossen halten soll, wie wollen Sie dann in mich eindringen?

Kotz (unterbricht seine Arbeit an seinem Anzug; schnaufend): Das lassen Sie mal meine Sorge sein, haehae. (Und zu sich selbst murmelnd) Verdammt, ich kann unter diesem bloeden Ding nix sehen, und ausserdem drueckt es auf meinen Knochenkamm.

Alexander (kommt langsam wieder zu sich): Knochenkamm? Aber Vorlonen haben doch gar...Moooooment mal! (Reisst die Augen auf und Lehnhier die Maske runter) *SIE*!!!

Die folgenden Szenen blenden wir gnaedigerweise aus.


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